Infektionsserologie

Die Infektionsserologie steht bei der Diagnostik einer Vielzahl von Viruskrankheiten und einigen bakteriellen Erkrankungen wie der Borreliose oder der Syphilis im Vordergrund. Auch parasitäre Erkrankungen wie die Toxoplasmose werden so diagnostiziert. Mit dem Auftreten der Symptome lassen sich spezifische Antikörper der Immunglobulin-Klassen IgG, IgM und oft auch IgA gegen die Erreger im Serum nachweisen. Während die IgM- und IgA-Antikörper bei der Rekonvaleszenz wieder abnehmen, bleiben die spezifischen IgG-Antikörper meist lebenslang bestehen und geben Auskunft über eine durchgemachte Infektion oder den Impfschutz.

Verschiedene Testmethoden stehen dafür zur Verfügung:

Der Enzymimmunoassay (EIA, ELISA), der Fluoreszenz-Immunoassay (FIA), der Lumineszenz-Immunoassay (LIA), der indirekte Immun-Fluoreszenz-Test (IFT), die Komplementbindungsreaktion (KBR), der Hämagglutinations-Hemmtest (HHT), der Neutralisationstest (NT) oder der Nachweis spezifischer Antikörper im Immunoblot, um nur die wichtigsten zu nennen.

Häufig ist eine Stufendiagnostik notwendig, um serologisch die Vielzahl der Krankheitserreger bei Infektionen des Respirations- oder Gastrointestinaltraktes, des ZNS, der Leber, der Niere oder bei Exanthemen, Arthritiden, des lymphatischen Systems oder während einer Schwangerschaft abzuklären. Deshalb bewahren wir das Probenmaterial einige Wochen gekühlt oder gefroren auf, um Nachuntersuchungen oder Verlaufskontrollen durchführen zu können. Manchmal sind zusätzliche molekularbiologische Methoden wie die Polymerase-Kettenreaktion (PCR) oder ein Antigen-Nachweis zur Diagnostik erforderlich.

Außerdem geben die Untersuchungen zum Komplementsystem Auskunft über die Entzündungsreaktionen und eine Vielzahl weiterer Erkrankungen.

Immunhämatologie

In der Immunhämatologie oder Blutgruppenserologie werden die genetisch determinierten spezifischen Antigene auf der Erythrozytenmembran bestimmt, welche für die Blutgruppeneigenschaften verantwortlich sind. Die Blutgruppenbestimmung hat praktische Bedeutung für die Transfusion, der Vermeidung von Transfusionszwischenfällen, in der Schwangerenvorsorge und zur Abklärung von fetalen Erythroblastosen wie dem Morbus hämolyticus neonatorum (Mhn). Über 500 Erythrozytenantigene sind serologisch definiert; die wichtigsten Blutgruppenantigene sind folgende Syteme: AB0, Rhesus (Rh), Kell, Lewis, MNSs, Duffy und Kidd. Gegen diese Antigene lassen sich oft auch irreguläre Antikörper im Serum durch den sogenannten Antikörpersuchtest nachweisen. Der Nachweis irregulärer Antikörper hat besondere Bedeutung bei der Schwangerenvorsorge.

Vor einer Bluttransfusion wird durch die „Kreuzprobe“ die Verträglichkeit von Spender- und Empfängerblut festgestellt.

Für dieses Fachgebiet ist die Identitätssicherung der Blutproben lebenswichtig, weshalb nach sehr strengen Richtlinien untersucht und dokumentiert wird.

Autoimmunerkrankungen

Die körpereigene Produktion von Autoantikörpern (AAk) verursacht verschiedene entzündlich rheumatischen Erkrankungen (Kollagenosen), den systemischen Lupus erythematodes (SLE), die systemische Sklerose, die verschiedenen Formen einer Dermatomyositis und weitere verwandte Erkrankungen. Alle Organe können von einer Autoimmunreaktion betroffen sein, wie die Leber in Form der verschiedenen Autoimmunhepatitiden, die Niere (M. Wegener, Rapid-progressive Glomerulonephritis, Goodpasture-Syndrom), die Schilddrüse (M. Bechterew, Hashimoto-Thyreoiditis) , die Haut (Pemphigus) oder die Muskulatur (Myositiden), um nur einige Autoimmunerkrankungen zu nennen.

Die Bestimmung der antinukleären Antikörper (ANA) und weiterer gegen diverse Zellbestandteile gerichteter Autoantikörper erfolgt mit dem Fluoreszenzmikroskop als indirekter Immunfluoreszenztest (IFT),  aber auch mittels Enzymimmunoassays (EIA, ELISA). Vor allem die mikroskopische Bewertung der dafür verwendeten Zell-Linien erfordert umfangreiche Spezialkenntnisse und viel Erfahrung.

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